Herz Jesu - Kirchenbau und Geschichte
Die Herz-Jesu-Kirche in Oberflockenbach wurde 1957 nach Plänen des Kirchenarchitekten von Prof. Albert Boßlet, einer der bedeutendsten Kirchenarchitekten des 20. Jahrhunderts in Südwestdeutschland, und des Regierungsbaumeisters Erich van Aaken errichtet. Das Gotteshaus mit achteckigem Zentralbau war das letzte Werk von Boßlet und weist bei der Wahl der Farben, Formen und Maßen eine starke Symbolsprache auf. Chorrückwand und Fenster der sonst bewusst schlicht gehaltenen Kirche wurden durch den Würzburger Maler Curd Lessig gestaltet. Die Decke wurde als Faltdach konstruiert. Mit der Oberflockenbacher Kirche führte Boßlet erstmals die Idee einer Zentralkirche konsequent zu Ende. Sie hat die Grundrissgestalt eines quadratischen Zentralbaus, über dem das Kirchenschiff als „Zelt Gottes“ in einem Achteck zuläuft. Die Kirche besitzt einen Campanile, einen bewusst abgesetzten Kirchturm – der als Sinnbild des Stabes Gottes (Feuersäule, Hirtenstab und Kreuz) weit sichtbar ist.
Die Herz-Jesu-Kirche wurde 2007 vom Regierungspräsidium Karlsruhe zum Kulturerbe ernannt. Begründet wurde die Ernennung damit, dass es sich bei der Kirche "um ein sehr gut erhaltenes und baukünstlerisch sehr qualitätsvolles Beispiel der Kirchenbaukunst der 1950er Jahre" handele. Lesen Sie hier den Text der Urkunde.
Kirchenbau
Die rote Kirche hat einen hervorgehobenen Standort und ist einfühlsam als „Krone auf dem Bergrücken“ in die Landschaft eingebunden. Sie befindet sich bis heute in ihrem ursprünglichen Zustand. Lediglich Hochaltar und Ambo wurden behutsam den liturgischen Erfordernissen angepasst. Das Innere der Kirche ist von eindringlicher Schlicht- und damit auch Schönheit. Das entsprach Boßlets eigener Überzeugung. Der achteckige Zentralbau wirkt ruhig und ausgewogen. Er ist in reinem Weiß gehalten - der Farbe der Reinheit und Vollendung. Die Akustik in der Kirche ist hervorragend. Alles ist auf den Zelebrationsaltar und das Gemälde der Chorrückwand von Curd Lessig mit dem segnenden Christus in der Mitte bezogen. Die Seitenaltäre sind unauffällig in Nischen untergebracht. Alles ist geradlinig. Lediglich die leicht gewölbte Decke über dem Chor lässt an der bemalten Rückwand und im Übergang zum Zentralbau schwache Rundungen entstehen und greift damit romanische Gestaltungselemente auf.
Die architektonischen Linien, die Maße, Formen und Farben unterstreichen die außerordentlich hohe Symbolkraft der Kirche, die sich dem Betrachter nur beim näheren Betrachten erschließt. Der Blick der Gemeinde soll sich auf den Altar richten, auf dem das Geheimnis der Eucharistie gefeiert wird. Hinter ihm erhebt sich auf der Chorrückwand das Bild des Würzburger Malers Curd Lessig. Die dargestellte Szene erinnert an das erste öffentliche Auftreten Jesu. Jünger und Jesus bilden dabei selbst eine Form des Herzens. Die aufrechte Haltung des Gottessohnes, die Sonne hinter seinem Haupt als Zeichen für die Begnadung und Herrlichkeit aber auch die anbetende Haltung der zwölf Apostel auf dem Bild stehen zugleich für den auferstandenen und wiederkommenden Christus. Mit dem Bild wird die Idee einer Ikone aufgegriffen: Das Sichtbare gilt als Nachahmung, als Abdruck des Urbildes und der Idee.
Durch Nordung der Kirche tritt Jesus der Gemeinde strahlend und segnend aus dem Dunkel entgegen. Die Gemeinde selbst kommt aus südlicher Richtung in die Kirche, wie das Volk Gottes des Alten Testamentes vom Süden her ins gelobte Land. Die Fenster richten sich nach Osten und westen – den Himmelsrichtungen, in denen die Sonne auf- bzw. untergeht. Die Fenster selbst erinnern an die Bewegung des Wassers, das in der Offenbarung die Stadt Jerusalem umspült. Jedes einzelne Fensterelement stellt zugleich aber auch ein geschwungenes Tauzeichen bzw. Kreuz dar – Trost- und Hoffnungszeichen für alle, die „Ihm“ folgen. Die Kirchenbänke sind so angeordnet, dass die feiernde Gemeinde ein Herz bildet.
Geschichte
Das älteste bestehende Zeugnis christlichen Lebens in den zur Pfarrei St. Johannes gehörenden Odenwalddörfern ist wohl die Kirche zum Heiligen Kreuz im Weinheimer Ortsteil Heiligkreuz. Sie könnte auf die Kreuzzugszeit zurückgehen, die heute ältesten Bauteile sind in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts zu datieren. Als Gründungsdatum des Chorraumes der einst kleinen Kapelle wird das Jahr 1242 angegeben. Heiligkreuz wird in alten Aufzeichnungen Atzmanns- oder auch Assmannsweiler genannt und taucht auch als „ad sanctum crucem“ auf. Um die Kapelle, zu der später auch Wallfahrten stattfanden, rankt sich ein ganzer Kreis von Sagen.
Die Kirche in Heiligkreuz wurde bei der Kirchenteilung im Jahr 1710 offenbar vergessen. Seit 1699 ist der Simultangebrauch in dem Gotteshaus urkundlich bezeugt und dauerte fast 300 Jahre an. Die Pfarrer und Kaplane kamen über den Kirchweg über Großsachsen nach Heiligkreuz und feierten ab dem 19. Jahrhundert in der alten Simultankirche zunehmend Gottesdienste. Die Kirche war in keinem Grundbuch verzeichnet war und laufende Rechte und Pflichten waren nicht eindeutig zuzuordnen. Erst 1969 wurde das Gebäude der evangelischen Kirche allein übertragen.
Im Februar 1955 wurde ein Grundstück beim Friedhof in Oberflockenbach zum Bau einer neuen Kirche in Oberflockenbach zur Verfügung gestellt. Vier Monate später beschloss der Stiftungsrat der Gemeinde, darauf eine Kirche zu bauen. Stararchitekt Albert Boßlet und sein Neffe Erwin van Aaken aus Würzburg wurden mit dem Bau der Kirche beauftragt. Am 3. Juli 1956 wurde der erste Spatenstich für die Kirche gefeiert; bereits am 30. Oktober des selben Jahres wurde auf dem Bau das Richtfest gefeiert. Die Einweihung der Kirche wurde von Missionsbischof August Olbert am 7. Juli 1957 vorgenommen.
