Pfarrversammlung

17.03.2019 |

Röm.-kath. Kirchengemeinde Weinheim-Hirschberg
Bilanz in Zeiten des Umbruchs und des Aufbruchs

Am 16. März 2019 trafen sich Mitglieder der römisch-katholischen Kirchengemeinde Weinheim-Hirschberg im Gemeindehaus Herz Jesu zu einer Pfarrversammlung. Eingeladen hatte der Pfarrgemeinderat, der 2015 von den Gemeindemitgliedern erstmalig für die neue Kirchengemeinde Weinheim-Hirschberg gewählt worden war. Diese umfasst fünf Pfarreien als Seelsorgeeinheit. Mit der Weiterentwicklung der Seelsorgeeinheiten 2015 blieben die Pfarreien kirchenrechtlich bestehen und die Gemeinden als Orte der Seelsorge erhalten. Als Nachfolger der Pfarrgemeinderäte stärken seitdem Gemeindeteams das kirchliche Leben vor Ort.

Nach vier Jahren Arbeit und ein Jahr vor den nächsten Pfarrgemeinderatswahlen sollte hinterfragt werden, ob sich die neuen Strukturen bewährt haben und es gelungen ist, die Nähe der Kirche vor Ort zu erhalten. Diese Fragen stehen auch vor dem Hintergrund der vom Freiburger Erzbischof Stefan Burger angestoßenen Gespräche über die zukünftige Struktur und Ausgestaltung der Seelsorge. Die zukünftige Kirchenentwicklung in der Erzdiözese Freiburg ist Gegenstand des Projektes Pastoral 2030.  

 Die Bilanz der zurückliegenden vier Jahre als Seelsorgeeinheit Weinheim-Hirschberg eröffnete der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Dr. Klaus Veeser. Anhand von drei Fragen stellte er zusammenfassend fest:Haben sich die neuen Strukturen bewährt?

Der neu gewählte Pfarrgemeinderat ist in kurzer Zeit zu einem arbeitsfähigen Gremium zusammengewachsen. Hilfreich waren dabei die Klausurtagungen, die zur Teambildung positiv beigetragen haben. Um die Zusammenarbeit in der Seelsorgeeinheit zu stärken, wurden viele Themen im Bereich der Seelsorge (Pastoral), der Sorge für Andere (Caritas) und der Weitergabe des Glaubens (Missio) aufgegriffen und Fortschritte erzielt. Dieser Weg muss konsequent weiterverfolgt werden.

Sind die Gemeindeteams und Stiftungsausschüsse wirksame Instrumente in den Pfarreien?

Für das Gemeindeleben vor Ort sind die Gemeindeteams und Stiftungsausschüsse von besonderer Bedeutung. Sie organisieren das kirchliche Leben in den Gemeinden, und sie können sich darauf verlassen, dass sich der Pfarrgemeinderat um die Themen kümmert, die für die gesamte Seelsorge-einheit geregelt werden müssen.

Ist es der Kirche gelungen, vor Ort den Menschen nahe zu sein?

Für die Nähe der Kirche vor Ort sind Ehrenamtliche zunehmend von Bedeutung. Diejenigen, die Kirche als Vollversorger ohne eigene Beteiligung verstehen, müssen sich fragen, ob sie ihren Auftrag als getaufte Christen wahrnehmen. In den einzelnen Pfarreien können die Pfarrer persönliche Kontakte zu allen Angehörigen der Kirche im Rahmen der Sakramente und sonst nur noch bei besonderen Gegebenheiten wahrnehmen. Durch die Arbeit der Pastoralreferenten, der Gemeindereferentinnen und der Diakone ist heute noch an jedem Ort Nähe gegeben. Die aktiven Ehrenamtlichen sind über die Gründe und Auswirkungen der neuen Strukturen gut informiert. Um dieses Wissen bei allen Mitgliedern in unserer Seelsorgeeinheit zu verbreiten, sind weitere Anstrengungen notwendig.  

Mitglieder des Pfarrgemeinderates und des Seelsorgeteams informierten anschließend über vier Schwerpunkthemen anhand von anschaulichen Darstellungen. Dr. Antje Blank und Pastoralreferent Wolf-Dieter Wöffler legten, auch vor dem Eindruck der Erkenntnisse der jüngsten Missbrauchsstudie (Forschungsprojekt Mannheim Heidelberg Gießen, MHG), Inhalte und praktische Umsetzung der Präventionsordnung gegen sexualisierte Gewalt dar. Die Präventionsordnung verpflichtet die Kirchengemeinden, ein institutionelles Schutzkonzept zu erstellen, in dem Haltungsziele, Schulungskonzepte, Beschwerdewege und verantwortliche Ansprechpersonen benannt und vereinbart werden. Dieses Schutzkonzept soll mit Unterstützung des Dekanats im Laufe des Jahres im Pfarrgemeinderat verabschiedet werden. Mit dem Jugendamt des Rhein-Neckar-Kreises ist seit 2013 vereinbart, für welche kinder- und jugendnahen Tätigkeiten auch für ehrenamtlich Mitarbeitende die Einsichtnahme in ein Erweitertes Führungszeugnis notwendig ist. Durch die entsprechenden Maßnahmen soll ein größtmöglicher Schutzraum für Anvertraute entstehen und eine Kultur des Hinsehens und Hinhörens in gegenseitiger Achtsamkeit entstehen. Bereits seit 2010 bzw. 2012 sind im Gesamtprojekt Prävention in der Erzdiözese Freiburg in der Jugendarbeit Schulungen und Verpflichtungserklärungen zum grenzachtenden Umgang implementiert.

Prof. Dr. Ulrich Abshagen informierte über die Tätigkeit des Stiftungsrates. Dieser wird von den Mitgliedern des Pfarrgemeinderates bestellt. Ihm obliegt die Verwaltung des Vermögens der Kirchengemeinde (Haushalt und Finanzangelegenheiten; Kontrolle des Haushaltsvollzugs; Festlegung der Richtlinien der einzelnen Kassen und deren Prüfung; Grundstücks-und Bauangelegenheiten; Personalangelegenheiten) sowie die Vertretung der Kirchengemeinde im Rechtsverkehr. Zuständig ist er für 8 Kirchen, 8 Gemeindehäuser, 5 Kindergärten sowie Wohnhäuser, Wohnungen, Erbpachtverträge und Grundstücke der Kirchengemeinde, darüber hinaus für 154 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Verwaltung, Einrichtungen und Kirchen. Mit Unterstützung der Verrechnungsstelle Heidelberg-Weinheim, einer Dienststelle des Erzbistums Freiburg, erstellt und kontrolliert der Stiftungsrat den Haushalt der Kirchengemeinde. Prof. Abshagen erläuterte die Arbeit des Stiftungsrates anhand zahlreicher Beispiele für Bau- und Renovierungsprojekte, für Immobilienpflege und -unterhalt, für Arbeitsorganisation sowie für die Finanzierung seelsorgerischer und liturgischer Projekte.

Die Zukunft der Seelsorge und die Kirchenentwicklung sind Gegenstand der in der von der Seelsorgeeinheit erarbeiteten Pastoralkonzeption und des Projektes Pastoral 2030.Gemeindereferentin Heidi Kohl und Gemeindereferentin Gabriele Mihlan-Penk

erklärten die Schwerpunkte der Pastoralkonzeption, deren Umsetzung sofort und in naher Zukunft ansteht: Der Abschied von Aktivitäten als Ergebnis einer Aufwand-Nutzen-Analyse, die Wahrnehmung von Bedürfnissen und Bedarfen zum Aufbau neuer Beziehungen in der Seelsorge zwischen den Sakramenten, die Intensivierung der Jugendarbeit, ein neues, stärker an den Erwartungen und Bedürfnissen orientiertes Erstkommunion- und Firmkonzept sowie eine Nutzenanalyse des kirchlichen Immobilienbestandes.

Die zukünftige Kirchenentwicklung in der Erzdiözese Freiburg, deren Diskussion unter dem Projekttitel Pastoral 2030 gerade erst beginnt, gehtu.a. von folgenden Prämissen aus: Die rechtliche und räumliche Identität von Kirchengemeinde und Pfarrei soll  wieder hergestellt werden, daher werden die derzeit 1057 Pfarrei aufgehoben und ca. 40 Pfarreien neu errichtet. In jeder neuen Pfarrei wird ein „Pastorales Zentrum“ eingerichtet dessen Gestaltung hinsichtlich seelsorgerischer und verwaltungstechnischer Dienstleistung noch völlig offen ist.

Der Bedeutung des Ehrenamtes galt die Station, die Harald Sochiera gestaltet hatte. Die Initiative und Mitwirkung eines jeden Mitglieds der Kirche wird in Zukunft darüber entscheiden, ob an seinem Wohnort oder in einer ortsunabhängigen Gemeinschaft noch Gemeinde stattfindet. Jeder kann sehen, dass in der Seelsorgeeinheit hunderte von Ehrenamtlichen tätig sind: Lektoren, Kirchenmusiker, Chöre, Ministranten, Besuchsdienste, Helfer für Flüchtlinge, Katecheten und viele mehr, die das heutige kirchliche Leben erst ermöglichen. Über 300.000 Frauen, Männer und Jugendliche engagieren sich in der Erzdiözese Freiburg ehrenamtlich! Durch den Wandel in Gesellschaft und Kirche hat sich auch das Ehrenamt geändert. Zum Teil übernehmen Ehrenamtliche Aufgaben mit großer Verantwortung, so dass Schulungen und Unterstützung durch hauptamtliche Mitarbeiter notwendig sind. Die Vereinbarkeit von Ehrenamt mit Familie und Beruf ist oft schwierig, eine zeitliche Begrenzung der Aufgabe deshalb notwendig. Aktuell sucht die Kirchengemeinde Weinheim-Hirschberg in ihren Pfarreien Ehrenamtliche, die bereit, sind sich im nächsten Jahr im Pfarrgemeinderat oder in den Gemeindeteams zu engagieren. Aber auch für vielfältige andere Tätigkeitsfelder sind neue Gesichter immer herzlich willkommen.

Schließlich standen die Mitglieder des Pfarrgemeinderates, des Stiftungsrates und die hauptamtlichen Seelsorger für Fragen und Anregungen zur Verfügung. Die Teilnehmer wurden angesichts brennender Themen sehr schnell konkret. Deutlich wurde, dass allen die gemeinsame Gestaltung der Zukunft ihrer Kirche am Herzen liegt. Auch in den Zeiten des Umbruchs von Welt und Kirche soll ihnen erhalten bleiben, dass sie in den Gemeinden ihren Glauben überzeugend leben und die Freude des Evangeliums ausstrahlen.

Bilder von der Pfarrversammlung

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