Mit Allerseelen richtet sich im November unser Blick auf das Ende des Lebens und auf unsere Verstorbenen. Als Lebende gehörten sie zu uns und auch nach ihrem Tod sind sie nicht vergessen. Aber wie lange bleiben sie im Gedächtnis? Kennen wir noch die Namen unserer Urgroßeltern? Von manchen Berühmtheiten stehen zwar auch noch nach Jahrhunderten später Namen und einige Daten in Geschichtsbüchern, aber wer weiß noch, was ihre Herzen bewegte und wer sie wirklich waren? Ich erinnere mich, wie ich als Kind mit meiner Mutter alte Fotos von ihren Eltern und Geschwistern anschaute und wie wichtig es ihr war, diese Beziehungen über den Tod hinaus lebendig zu halten. Aber von ihren Vorfahren wusste sie manches nur aus Überlieferung.
Die Botschaft, die Jesus uns gebracht hat, übersteigt diese Grenzen der menschlichen Erinnerung. Sein Evangelium sagt uns: Es gibt jemanden, der dich besser kennt als deine Lieben, der dich nie vergisst. Er hat deinen Namen, dein Leben in seine schützende Hand geschrieben.
Dieses Vertrauen bringt ein Herbstgedicht von Rainer Maria Rilke voller Hoffnung zum Ausdruck:
Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.
So wünsche ich uns in der kommenden Zeit die Erfahrung, dass uns in allem Fallen unseres Lebens
Einer ganz sanft in seinen Händen hält.
Michaela Mikula
Gemeindereferentin