Dem Himmel so nah

01.08.2019 |

Es ist ein wunderschöner Sommertag, die Sonne lacht vom blauen Himmel, Tautropfen der Nacht glitzern noch in ihrem Licht und die Farben der Natur bekommen eine ganz besondere Leuchtkraft.
Es ist Sonntag. Zeit für einen besonderen Gottesdienst, eine Gipfelmesse oberhalb von St. Jakob im Defereggental auf dem Grossen Leppleskofel, auf 2811 m. Bis zur Bergstation auf 2368 m fährt eine Seilbahn, die restlichen knapp 500 Höhenmeter sind zu Fuß zu bewältigen.

 
Der Pfad ist eng, steinig und steil. Man kann nur hintereinander gehen und Trittsicherheit ist eine Voraussetzung.
Dem Betrachter bietet sich ein überraschendes Bild: Eine lange Reihe von Menschen strebt dem Gipfel zu: Familien mit Kindern, Paare, Einzelgänger, Gruppen, die zusammen gehören, Wanderer, die eigentlich nur auf den Gipfel wollen, Musiker, die ihre Tuba, Trompete und Posaune auf dem Rücken tragen und ein junger Mann, der ein Holzbrett schleppt. Am Gipfelkreuz ist wenig Platz, die Menschen sitzen dicht gedrängt und machen erst einmal Brotzeit.
Ein Gedanke taucht auf: So ähnlich könnte es bei der Bergpredigt gewesen sein. Aus dem Holzbrett wird der Altar, der mit zwei Schraubzwingen am Gipfelkreuz befestigt ist. Der Pfarrer kommt etwas später, er hatte noch einen Gottesdienst im Dorf. Die Bläsergruppe beginnt, die ca.130 Menschen rücken noch enger zusammen, sie stehen, sitzen, lehnen sich an und stützen sich gegenseitig. Was ist es doch für ein erhebendes Gefühl, auf 2811 m Höhe, mit einem Blick auf eine grandiose Bergwelt, Gott für das Wunder der Schöpfung zu danken und zu loben. Die Menschen machen sich nach dem Segen nicht gleich an den Abstieg. Es tut gut, dem Himmel so nah zu sein. Nach und nach löst sich die „Gemeinde“ auf, jeder Einzelne nimmt eine persönliche Erfahrung mit hinunter, ins tägliche Leben.
Für die Sommerzeit wünsche ich Ihnen solche „Gipfelerlebnisse“: Eine besondere Begegnung mit Gott, ein Erlebnis, das die Beziehung zu ihm vertieft und die Überzeugung, dass Er war, ist und bleibt.
 
Heidi Kohl
Gemeindereferentin