Pfarrhauswohnung St. Jakobus als Anschlussunterbringung für Flüchtlinge

25.07.2016 |

Pfarrhaus St. Jakobus
Ab 1. August 2016 wird die ehemalige Pfarrerswohnung im Pfarrhaus St. Jakobus von anerkannten Asylanten bewohnt.

Als am 17.9.2015 Pfarrer Bold beim Pfarrgemeinderat darum bat, dass alle Gemeinden der Seelsorgeeinheit nachdenken sollten, ob sie in kirchlichen Immobilien Unterkünfte für Flüchtlinge einrichten könnten, fiel diese Bitte bei St. Jakobus auf vorbereiteten Boden.

Im Pfarrhaus von St. Jakobus – Hohensachsen „wohnte“ schon längere Zeit niemand mehr. Dennoch wird es rege genutzt. Im Untergeschoss befinden sich u.a. das Pfarrbüro, die Büros von Gemeindereferentin Heidi Kohl und Diakon Rein. Im Obergeschoss, der ehemaligen Pfarrerswohnung wird u.a. der Jakobusraum für Treffen verschiedenster Gruppierungen wie des Gemeindeteams, der Kindergottesdienstvorbereitungsgruppe, der Krabbelgruppe,… etc verwendet. Die anderen Räume dienten teils als separate kleinere Besprechungs- und vor allem Lagerräume des Pfarrarchivs, für Literatur und Materialien für die Kirche, Ministranten, der KJG und der Sternsinger.

Schon der alte Stiftungsrat der Pfarrgemeinde St. Jakobus hatte den Vorschlag von Herrn Albinger, im nicht mehr als Pfarrerwohnung genutzten Teil des Pfarrhauses Wohnraum für Flüchtlinge einzurichten, diskutiert aber nicht letztlich beschlossen. Der eigentliche Startpunkt des Projekts war so die Bitte von Pfarrer Bold beim Pfarrgemeinderat am 17.9.2015, dass alle Gemeinden der Seelsorgeeinheit nachdenken sollten, ob sie in kirchlichen Immobilien Unterkünfte für Flüchtlinge einrichten könnten. Diese Bitte, die zeitgleich mit dem gleichsinnigen Appell von Papst Franziskus geäußert wurde, fiel daher bei St. Jakobus auf vorbereiteten Boden. So kam es, dass St. Jakobus die einzige Gemeinde in der kath. Seelsorgeeinheit Weinheim-Hirschberg war, die in kurzer Zeit ein derartiges Projekt vorschlagen konnte.

Der Pfarrgemeinderat beschloss am 11. November 2015 die Umwidmung und den Umbau der ehemaligen Pfarrerswohnung für die Anschlussunterbringung von Flüchtlingen. Herr Prof. Dr. Abshagen, der sich persönlich stark dafür einsetzte wurde mit der Koordination und Leitung dieses Projektes beauftragt. Der Baubeauftragte der Pfarrei St. Jakobus, Herr Albinger, fungierte als Bauleiter für Umzug, Entrümpelung und die Renovierung.

Die Umwidmung und Genehmigung, auch der Finanzierung des Projekts von 20.000 €, durch die erzbischöfliche Administration aus Freiburg lagen postwenden vor. Die erforderliche Bau­ge­neh­migung der Stadt Weinheim inklusive des Vermessungsamtes, des Denkmalschutzes, des Brandschutzes, der Umweltvertäglichkeit etc wurden letztlich am 23.2.2016 erteilt.

Zunächst jedoch galt es, unter Einbeziehung und letztlich Zustimmung aller Nutzer (verschiedene Gruppierungen der Gemeinde, Sekretariat, Sakristei, Gemeindereferentin) ein Raumkonzept für die verschiedenen Bedürfnisse zu entwickeln, das die Einrichtung von einer 3‑Zimmerwohnung und eines 1‑Zimmer-Apartments für die Flüchtlinge und den Erhalt von zwei Räumen für Gemeindezwecke erlaubte.

Auch die Gemeinde wurde in mehreren Gottesdiensten von der geplanten Nutzung unterrichtet und bezeugte durch Beifall und viel Zuspruch, dass sie diese voll und ganz unterstützt.

Dann ging es an den Umbau, der mit dem Ausräumen der geplanten Wohnungen begann. So musste z.B. das Pfarrarchiv, das bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts reicht, mitsamt der Metallschränke vom ersten Stock in den Keller verlegt werden, Schränke mit Ministranten-und Kommunionkleidung oder Sakristei-Utensilien, Lehrmaterial für die Gemeindereferentin umgezogen werden und vieles andere mehr. Es gab auch nach Sichtung zwei große Container zu entsorgen, insbesondere auch vom Speicher des Hauses, auf dem sich die unterschiedlichsten Gegenstände von vielen Jahrzehnten angesammelt hatten. Für diese schweißtreibende Arbeit konnten mehrere Trupps von sehr hilfsbereiten Asylbewerbern gewonnen werden, wenngleich für die Sekretärin, Gemeindereferentin und den Messner sowie Hr. Prof. Dr. Abshagen und Herrn Albinger noch genügend „anpackende“ Arbeiten übrig blieben. Dann zogen die Handwerker ein, wobei sich, wie so oft, viele Probleme erst bei der Durchführung der Renovierung offenbarten.

Gleichzeitig mussten die formalen Bedingungen der Vermietung geklärt werden. Zunächst war geplant, die Wohnung an die Stadt Weinheim zu vermieten, die diese dann für Anschlussflüchtlinge zur Verfügung stellen könnte. Den Wunsch der Pfarrgemeinde an die Stadt, dabei darauf zu achten, dass christliche Asylanten ins Pfarrhaus einziehen würden, konnte die Stadt jedoch nicht zusichern.

In dieser Zeit entstand im Rahmen des Arbeitskreises christlicher Kirchen die Idee eines anzustellenden Integrationshelfers und ein geeigneter Kandidat konnte identifiziert werden. Hr. Mtity, der diese Stelle nun auch seit 15,7. inne hat,  ist kath. Theologe und anerkannter Asylant, der vor vier Jahren aus Mosul fliehen musste. Er spricht u.a. Arabisch, Kurdisch, Deutsch Italienisch und Englisch und braucht hier nun für sich und seine Familie eine Wohnung.

Daraufhin konnten Pfarrer Bold zusammen mit Hr. Prof. Dr. Abshagen und Hr. Dr. Schütz bei der Erzdiözese in Freiburg die Genehmigung zu einer Direktvermietung durch die kath. Seelsorgeeinheit Weinheim-Hirschberg erreichen.

So wird Herr Mtity mit seiner Frau und seinem vier Monate alten Sohn als ökumenischer Integrationshelfer am 1.8.2016 in die umgebaute 3-Zimmerwohnung im Pfarrhaus einziehen.

Das Umbauprojekt findet so seinen Abschluss und trägt damit doppelt zur Integration von Asylanten in unsere Gemeinde mit bei.

Besonderer Dank gilt dabei Hr. Prof. Dr. Abshagen, der als Projektleiter nicht nur in vielen Gesprächen und Briefwechseln die verschiedenen Möglichkeiten ausgelotet, Anträge gestellt und dann entsprechende Entscheidungen getroffen, sondern auch tatkräftig mit angepackt hat, ebenso Hr. Albinger, der als Ideengeber und Baubeauftragter zudem die Koordination der verschiedenen Gewerke fest im Griff hatte.

Stefan Buchholz (Mitglied des Gemeindeteams St. Jakobus)